
Pascal Sanwald
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Anti-Zeitmanagement
Jeder der 'mal im mittleren oder oberen Management tätig war und jeder Unternehmer, der versucht hat seine Leistungsfähigkeit zu "maximieren", kennt ZEITMANAGEMENT. Es ist immer der gleiche Prozess der uns dazu führt, effektiver sein zu wollen. Es fängt an mit der Erkenntnis, dass vieles zu kurz kommt im Privat- und Berufsleben. Anschließend versucht man mit Literatur oder Seminaren wie "Simplify Your Life" zu verstehen, wo all' die Zeit hingeht. Man setzt die Strategien um, eliminiert Zeitfresser, setzt Prioritäten und nach ein zwei Monaten funktioniert man wie ein Uhrwerk. Die Anforderungen nehmen zu, die C-Aufgaben werden delegiert, bis noch A- und B-Aufgaben da sind, die einen dann treu bis zum Burnout begleiten und das Spiel beginnt von vorn. Auf der Strecke bleiben der Sinn für die Details, Spontaneität und der Blick für das Wesentliche, der ironischerweise eigentlich das war, was man erreichen wollte ...
Ich frage mich: Ist Zeitmanagement heute überhaupt noch sinnvoll? Wo bleibt bei allem Funktionieren das Leben? Blicken wir auf unser Leben zurück, sind es doch die kleinen Details und Momente, die wir unser kostbares Eigen nennen. Niemand wird jemals im Sterbebett sagen: "Hätte ich doch mehr gearbeitet ...". Und wenn wir an unsere Lieben denken, dann sind es oft die kleinen Eigenheiten, die sie einmalig machen. Wenn wir das bei anderen akzeptieren, warum dann nicht bei uns selbst? Funktioniert das nicht auch so im Arbeitsleben? Warum sich selbst zur absoluten Effektivität peitschen, wenn mit Geduld, Freude und Liebe gemachte Arbeit nachweislich bessere Resultate erzielt. Google Inc. hat zu diesem Thema eine interne Studie durchgeführt. Mitarbeiter sollten 20% ihrer Arbeit in ihre Lieblingsprojekte stecken. Alle außergewöhnlichen, erfolreichen Projekte der Firma sind diesen 20% zu verdanken. Hier wurde Zeit, Freude und Geduld investiert und es hat sich mehr gerechnet, als ein Manager der seine Truppe antreibt.
Ich habe mich dazu entschlossen, bei meiner Arbeit wieder mehr auf Details zu achten. Ich will mir wieder Zeit dafür nehmen. Nicht alles muss einen Termin, eine Priorität und eine maximale Dauer haben. Ich will wieder Freiräume für Kreativität, Schrift, Form und Farbe haben. Und wenn ich dadurch Zeit verbrauche, die der Auftrag nicht hergibt .. was soll's? Dann ist am Ende des Monats eben etwas weniger in der Kasse. Meine Motivation, die Ergebnisse und das Kundenfeedback werden mich entschädigen. Ich will zufrieden sein, ich will meinem Kunden das Beste liefern. Ich will stolz sein und Details schaffen und erkennen. 2010 wird für mich deshalb ein Anti-Zeitmanagement-Jahr.
