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Pascal Sanwald
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Staat und Steuer
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 Staat und Steuer
August 2009 

Rentner angezapft

Nach den Kaffeefahrten erkannte das Konsumenten- und Internetmarketing die Renter als ernsthafte Zielgruppe an. Dort werden sie liebevoll als "Silver Surfer" bezeichnet und mit dem "ewigen Leben" oder "neuer Lebenslust" umworben. Nun ist auch der Staat auf den Plan gekommen auch die "älteren Kühe zu melken".

Nachdem nun alle Bevölkerungsschichten erfolgreich an den Zapf gelegt wurden (außer Staatsbeamten versteht sich), sind nun die Rentner d'ran. 70 Jahre lang haben sie hart gearbeitet und sich auf die Zeit gefreut, in der sie sich darauf konzentrieren können das Leben zu genießen. Sie haben gespart, die Altersvorsorge jedes Jahr in den Fixkosten mitgeschleift und sich überlegt, wie sie im Alter krisensicher überleben können. Die Kriegs- und Nachkriegsgenerationen kennen schlechte Zeiten. Deshalb haben sie jede Chance genutzt, um sich abzusichern. Doch damit ist jetzt Schluss. Denn neuerdings bestimmt der Staat wieviel jedem Rentner zusteht und daher werden kurzerhand zusätzliche Rentenbezüge versteuert. Der unbelastete Lebensabend ist zu Ende. Von nun an müssen Menschen, die zum Teil ihren Führerschein abgegeben haben, weil sie der Verkehr überfordert, die Formulare nicht mehr selbständig ausfüllen können, die die Welt von heute nicht verstehen können oder wollen ihre Finanzen offenlegen und sind dem Staat Rechenschaft schuld.

Doch wie kommt der Staat an die Gelder? Wo sind sie und wie rentabel ist das Geschäft mit der angezapften Rente?
Was vor 20 Jahren noch ein klägliches Unterfangen gewesen wäre, ist heute ein Kinderspiel für die Finanzämter. Mit einer groß angelegten Offensive soll im Frühjahr 2010 damit begonnen werden, die neue Zielgruppe anzuschreiben und sie darin aufzufordern eine Steuererklärung abzugeben. Zugriff auf die entsprechenden Daten haben die Finanzämter heute schon. Als hilfreiche, auskunftsverpflichtete Stellen stehen hier Banken, ausländische Behörden, Einwohnermeldeämter, Rentenversicherungsträger, private Rentenversicherer, Lebensversicherer, Nachlassgerichte, Notare (bei Immobiliengeschäften), die Staatsanwaltschaft, Steuerfahndung und natürlich das Bundeszentralamt für Steuern. Bei diesen Stellen ist so ziemlich jede Information hinterlegt, die dafür notwendig ist, sich ein klares Bild über die Vermögensverhältnisse eines 80-jährigen zu machen, um ihm anschließend einen Teil davon abzujagen. Warum also die Rentner erst schriftlich auffordern? Diese wissen oft selbst nicht genau über ihre Vermögensverhältnisse Bescheid. Der Hof - vom Vater vererbt - wird plötzlich zum Tropf, der das Faß "genehmigte Rentenhöhe" zum Überlaufen bringt. Außerdem wäre ja die Illusion futsch, dass Bürger noch Einfluss auf ihre Vermögensverhältnisse haben.

Meine Meinung: Rente zu besteuern ist ein folgerichtiger Schritt. Nach Grund, Boden, Regenwasser, Luft, Öl, Zigaretten, dem Mehrwert des Werts und all' den anderen Steuerarten ist die versteuerte Rente einfach das nächste Glied in der Kette der DEVOLUTION. Das absurde Spiel unseres Staats seine Unfähigkeit zu verschleiern mit Geld umzugehen oder an die Opportunisten zu verteilen und den niemals endenden Wettlauf von unnötigen, sinnlosen Ausgaben durch Politiker - beauftragt von Lobbys - und den zu tragenden Kosten durch die Bürger geht in die nächste Runde. Es ist nur eine Fragen der Zeit bis auch Pensionäre und Rentner auf Steuerkarte (Klasse I bis IV) - und damit alle Renter - belangt werden. Unsere Rente ist nicht nur "nicht sicher" - es ist bereits absurd hier noch von "Rente" zu sprechen. Die Rente zu versteuern ist eine Idee, die ich damit gleichsetze, Toten die Goldzähne zu entfernen und einzuschmelzen. Makaber und ethikfrei. Das ist nunmal die "deutsche Vorgehensweise".