
Pascal Sanwald
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Zinsen
oder das menschenfeindlichste Mißverständnis unserer Zeit.
Das Prinzip ist einfach: Ich habe Geld, bringe es zur Bank und erhalte Zinsen dafür. Ich benötige Geld, leihe es mir von der Bank und bezahle Zinsen dafür.
Da stimmt doch was nicht!
Fangen wir dort an, wo Schaden entsteht: Womit verdienen Banken eigentlich Geld? Zum Beispiel bei Devisengeschäften wird mit Geld gehandelt, das physikalisch nicht bewegt wird. Es liegt in Form von Goldreserven oder als Wertpapier in irgendeinem Tresor. Die Zahlen, mit denen Broker schachern sind Abstrakte (Werte) für ein Abstraktum (Währung). Gelder, die bei einer Überweisung das Konto wechseln, werden nur in seltenen Fällen wirklich von einer Bank physikalisch transferiert. Das Geld liegt also in einem Tresor. Der Besitzer ist immer eine Bank und der Eigentümer ein Mensch, eine Institution oder ein Unternehmen. Dem Eigentümer gehört zwar die Sache, aber der Besitzer verfügt darüber. Banken treiben also Devisenhandel mit dem Geld der Menschen. Sie finanzieren Staaten, Länder, profitable Unternehmen und Kriege. Sie mehren ihr eigenes Vermögen durch das Kapital, das eigentlich das der Menschen ist. Und der wichtigste Punkt: Solange das Geld in den Händen der Bank ist, kann es keinem Menschen helfen oder dienen. Niemand kann in eine Idee investieren, die er einfach gut findet. Niemand kann einfach ein Haus kaufen, wenn er es benötigt. Niemand kann davon ausgehen, dass er sich die Gesundheitsfürsorge leisten kann, die er braucht. Zu allem benötigt er die Freigabe eines Kredits bei einer Bank. Unter der Kontrollinstanz Regierung gibt es also eine weitere Instanz: Die Bank. Diese wiederum arbeitet mit Ratings. Das sind Bewertungsverfahren für alle, die Geld haben wollen. Mittellose Menschen ohne Kapital werden hier so schlecht bewertet, dass sie keinen Anspruch auf eine Kreditlinie erhalten. Das ist ein faschistisches Prinzip, das der Gleichberechtigung und der Demokratie entgegen steht. Aber das soll uns jetzt nich weiter stören. Wichtiger ist, dass die Entscheidung, was mit allem Geld der Welt passiert (womöglich mehrere tausend Billionen) von profitorientierten Unternehmen getroffen wird, die von Managern gesteuert werden, die zuerst sich selbst, dann ihre Sippe, dann ihr Unternehmen, dann alle anderen berücksichtigen. Eine Bankenkrise, wie wir sie kennengelernt haben, ist da noch das kleinste resultierende Problem. Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass Geld mittlerweile die wichtigste Ressource der Welt ist. Und Ressourcen sind auf dieser Welt immer knapp. Und so haben 99% der Weltbevölkerung Probleme mit Armut, Arbeitslosigkeit und Krankheit - während Banken und die restlichen 1% ein dekadentes Leben in Saus und Braus führen und es immer noch schaffen, die restlichen 99% in die Scheiße zu reiten. Haben Sie schon einmal ein schäbiges Bankgebäude gesehen?
Wir haben also weit über 1.000.000.000.000 Euro, die in Tresoren liegen und Superreichen und Banken dazu dienen, ihre Profite zu mehren. Auf der anderen Seite haben wir Politiker, die jammern, dass die Kassen leer sind, ein beschissenes Gesundheitssystem, 3. Welt Länder, mehr als 5.000.000 Arbeitslose allein in Deutschland, Armut, usw. Zwischen diesen zwei Investitionsarten müssen wir uns entscheiden. Warum müssen wir entscheiden? Und weshalb werde ich dafür belohnt, liquide Mittel und die wichtigste Ressource von der Menschheit abzuziehen? Ich tue etwas, das der Menschheit schadet und gewinne an Status, Vermögen, Macht? Ich verstoße gegen christliche und humane Grundregeln und werde dafür belohnt?
Also, worin liegt das Problem? Es sollte nicht der belohnt werden, der den Menschen schadet, sondern der, der ihnen Gutes tut. Kehren wir hierzu das Prinzip um, dann müssen Zinsen in eine Art Miete für Geld gewandelt werden. Für jeden Euro den ich besitze führe ich im Jahr 5% Mietzins ab. Bringe ich Geld in Umflauf, muss ich weniger Mietzins bezahlen.
Das hat nichts mit Kommunismus oder Sozialismus zu tun. Das Gegenteil ist der Fall: Nur so kann freie Marktwirtschaft, wirklicher Kapitalismus, Demokratie überhaupt funktionieren. Wer gibt, der wird belohnt. Jeder Mensch hat - zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit - die gleichen Chancen. Zeigt die Geschichte nicht klar und deutlich, dass die Güter Macht, Wissen, Kunst und Kultur, Geld niemals von einigen wenigen gehortet, unterbunden oder vernichtet werden dürfen? Wenn wirklich jeder gleiche Rechte hat (und das ist in einer Demokratie eigentlich so gedacht), so sollte der Zugang zu diesen Gütern JEDEM und JEDERZEIT gewährleistet sein. Umgesetzt werden könnte es beispielsweise gemessen an der kurzfristigen Liquiditiät. Damit auch sozial schwache Menschen Zugang erhalten, muss man einfach Kreditkarten etwas umfunktionieren bzw. richtig benutzen. Zum Beispiel kostet ein Museumsbesuch nicht mehr 5,- € Eintritt sondern 0,02%. Jeder bezahlt mit seiner Kreditkarte prozentual von seiner Kreditlinie die auf seiner kurfristigen Liquidität beruht. Voilá: Gleichberechtigung - alles andere ist nicht demokratisch und nicht im Interesse der Menschen. Jeder, der sich als Christ bezeichnet, kann endlich ein christliches Leben führen, ohne in Armut zu enden. Jeder Humanist kann Menschen helfen, ohne an bürokratischen Hürden zu scheitern. Jeder Freund der Menschheit kann seiner Intention folgen, ohne seinen Status innerhalb der Gesellschaft zu verlieren. Moralische Werte werden wieder gewertet. Profitgier und Opportunismus führen zu Armut. Der Islam hat dies erkannt und umgesetzt: Das islamische Recht verbietet den Bankern unter anderem, von ihren Kunden Zinsen zu nehmen. Warum ist das in unserer - christlich basierten - Gesellschaft anders?
Die Folgen für die Marktwirtschaft wären drastisch: Ein Aufschwung, wie ihn die Menschheit noch nicht gesehen hat. Man würde nicht mehr beim Billigsten kaufen, weil man sich nicht mehr leisten kann/will. Der neue, riesige Bedarf würde Arbeitslosigkeit komplett ersetzen und der gesamten Menschheit dazu verhelfen, die Zivilisation in die nächste Stufe zu führen. Endlich würde wieder derjenige, mit der Besten Leistung am Besten honoriert werden. In Qualität und Zielstreben würden neue Maßstäbe gesetzt. Das Motto würde lauten: Investiere in den Menschen und die Umwelt und profitiere davon. Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen hätte ein Ende, da die Macht das zu ändern nicht mehr bei einigen wenigen läge. Menschen jeder Branche, jeden Alters, jeder Rasse würden belohnt, wenn sie jemandem helfen, Geld geben oder etwas Gutes entwickeln, das sich dann auch jeder leisten und bedenkenlos kaufen kann. Der Reichtum der Menschheit würde nicht mehr nur 1% sondern allen 100% zu Gute kommen. Ohne Anarchie, ohne Kommunismus, ohne Krieg. Was hält uns noch davon ab?
Selbst als Reicher / Superreicher würde ich Vorteile von der Zinsumkehr haben: Ich investiere und beteilige mich an Unternehmen, anstatt das Geld zum Wettkreislauf Börse anzuvertrauen. Warum soll ich von 6 - 12% Rendite der Zinswirtschaft leben, wenn ich bis zu 50% bei Unternehmensbeteiligungen der florierenden Marktwirtschaft erhalten kann und dadurch Arbeitsplätze schaffe und zur konsequenten Weiterentwicklung beitrage? Es würde soviel Geld zu mir zurückfließen, dass ich nur noch mit Investieren und dem Ausloten von Investitionsmöglichkeiten aus Bereichen beschäftigt wäre, an denen mir etwas liegt. Umweltschutz, Recycling, Informations- oder Kommunikationstechnologie - jeder Bereich ist lukrativ!
Die Fehlbarkeit des Kapitalismus und seine Unvereinbarkeit mit einer Demokratie zeigen sich im Zins mehr, als in jeder anderen Facette unserer Marktwirtschaft. Während beides - der Kapitalismus und die Demokratie - mit fairen, liberalen Prinzipien gestaltet ist und zum Wohl und der Freiheit der Bürger fungiert, hindert uns nur die menschliche Schwäche mancher Individuen daran, diese Prinzipien korrekt zu leben. Diese Schwäche hat nichts mit Gut oder Böse zu tun. Es ist ein Urinstinkt, der unser Überleben sichert. Schon in der Steinzeit haben die überlebt, die sich im Sommer genügend Vorräte für den Winter gesammelt oder einem anderen Stamm die Vorräte gestohlen haben. Das ist heute das gleiche Prinzip: machtbessessene Politiker und geldgeile Manager machen das nicht aus Jux, sondern weil sie für ein komfortables Leben von sich und alle Folgegenerationen ihrer Sippe sorgen wollen. Das war immer so und wird immer so sein. Die menschliche Unfähigkeit derer, die Demokratie und Kapitalismus in Schlüsselfunktionen ausführen darf in einer solchen jedoch nicht von dieser Schwäche regiert werden. Erscheinungen wie Lobbyismus, politische Willkür und Fehlentscheidungen sollten daher folgerichtig strafbar sein.
Mein Fazit: Durch die momentane, falsche Anwendung des Zins entsteht ein Schaden von unermesslichem Ausmass. Wenn das Geld im Kreislauf der Banken ist und nicht schnellstens den Weg zurück zu den Menschen findet ändert sich daran auch nichts. Die Weiterentwicklung der gesamten menschlichen Art wird durch das aktuelle Prinzip verlangsamt, unterbunden und zum Teil zurückgeführt. Jetzt in diesem Moment. Die Umkehr des Zins ist, durch die Relevanz des Vermögens, ein unumgänglicher Schritt zur Bewahrung all dessen, für das wir als Menschen stehen.
Diejenigen, die uns in die momentane Krisensituation führten, werden eine Veränderung nicht hinnehmen. Sie haben es sich bequem gemacht. Doch wollen wir uns weiterentwickeln müssen wir diese Fesseln sprengen und hart für eine umfassende, gerechte Reform kämpfen. Und falls es sich für Dich, lieber Leser, immer noch komisch anhört, den Zins umzukehren und Miete für Vermögen zu bezahlen das allen gehört bzw. einfach Geld zu bekommen für alles was Du brauchst und willst, dann stell Dir vor, was das für Dich und die Menschen die Du kennst bedeuten würde. Du wirst erkennen, dass es irrational und dumm wäre, denen weiterhin Geld wegzunehmen, die ohnehin schon wenig oder keines haben und denen noch mehr Geld zu geben, die bereits sehr, sehr viel davon haben. Denk weiter, fang an etwas zu ändern und rede gleich mit anderen darüber.
Weiterführende Links (extern):
Alternative Währung
Demontage des Sozialstaats
Die Überlegenheit der islamischen Finanzwirtschaft
